Förderverein Kirche St. Nikolaus Nedlitz

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Zwischen 1140 und 1200 entstand im Gebiet des heutigen Landkreises Jerichower Land ein dichtes Netz von Dorfkirchen mit Wehrfunktion im additiven System der romanischen Baukunst, bestehend aus West­querturm, Gemeinderaum, Chorraum, Chor und Apsis, Bild 5.1/188/.

Zu ihnen gehörte auch die Nedlitzer Kirche, die als eine der ersten romanischen etwa um 1150 gebaut wur­de. Als Faktoren für die Errichtung der Kirche müssen neben der Seelsorge und dem Sicherheitsas­pekt im Zusammenhang mit der Grenzlage zu den Slawen auch die Untermauerung  der Machtstellung und des Besitzanspruches der kirchlichen Bauherren genannt werden. /170/ 

Der romanische Bruchsteinbau gliedert sich in die Turmhalle, das Kirchenschiff, den etwas eingezogenen quadratischen Chorraum und eine halbkreisförmige Apsis. Das Kirchenschiff nahm als größter Raum bei Gottesdiensten die Dorfgemeinde auf. Den durch einen Triumphbogen vom Schiff abgeteilten Chorraum nutzte der Geistliche für liturgische Handlungen. Durch einen getrennten Zugang von außen, der so ge­nann­ten Priesterpforte konnte man auf der Südseite in den Chorraum gelangen. Den Abschluss der Kir­che nach Osten bildet die halbrunde Apsis, in der sich auch der Altar befindet., Bild 5.2.

Der mächtige Westturm mit Satteldach der Nedlitzer Kirche, der gegenüber dem Kirchenschiff etwas her­vorspringt, diente nach Meinung der Chronisten sicherlich auch als Wachturm und Zufluchtstätte bei krie­ge­rischen Auseinandersetzungen, wenn auch dieser wehrtechnische Gesichtspunkt von /170/ abgelehnt wird. Ob er nachträglich angebaut wurde bzw. vor oder während des Kirchenschiffbaues entstand, ist nicht eindeutig nachvollziehbar. Auf jeden Fall weist er einen typischen spätromanischen Baustil auf. Außer­dem musste zur Errichtung des Turmes die Hilfe einer spezialisierten Bauhütte für die hohen Anfor­de­rungen der Statik und Bauausführung, des Gerüstbaues und Materialtransportes in große Höhen in An­spruch genommen werden.   

Bei dem vielfach veränderten Nedlitzer Gebäude sind die Nordfenster des Schiffes und die Fenster der Apsis im ursprünglichen Zustand erhalten. Nördlich des Chores findet man noch Mauerreste eines ehe­maligen Anbaues. Der gesamte Bau ist 31,50m lang, das Schiff 9,80m breit, die Grundflächenmaße des Turmes betragen 5,85 x 11,00m. Die Wände des Schiffes sind 1,00 m und die des Turmes 1,45 m bzw. 1,70m dick. Das Mauerwerk von Schiff und Turm besteht aus gehauenem Bruchstein, der in der Turm­wand im Gegensatz zum Langhaus sauber geschichtet und kleinteiliger ist /170/. Bild 5.3 zeigt einen maß­stäblichen Grundriss des Gebäudes mit zeitlichen Angaben zu baulichen Veränderungen.

Das Turmuntergeschoss war ursprünglich durch zwei 1,60m große Rundbögen geöffnet. Das dort noch vorhandene Kreuzgratgewölbe ist barocken Ursprungs und wurde im Zuge des Einbaues einer Grablage errichtet /42/, /170/.

Zwischen dem Turm und dem Westteil der Schiffswände ist eine Baunaht deutlich erkennbar, die für eine separate Bauweise spricht, Bild 5.4.

In der flach gedeckten Saalkirche befindet sich ein zwölfeckiger Taufstein aus dem 12. Jahrhundert mit einem maximalen Durchmesser von 1,12m. Unter dem Rand hat er einen 0,14m hohen ausgegrabenen romanischen Palmettenfries. Das Becken wird getragen von drei, vermutlich ursprünglich von vier, sehr verwüsteten auf  länglichen Klötzen sitzenden Figuren.  Diese Figuren stellen zum einen je einen nackten und einen bekleideten Menschen, dem der Kopf und die Hände abgeschlagen wurden und zum anderen einen größeren Löwen dar, Bild 5.5. Die Bedeutung dieser Figurengruppe einschließlich der fehlenden Figur konnte bisher nicht geklärt werden /42 /.

Die Nedlitzer Kirche trägt heute den Namen St. Nikolaus. Wann diese Namensverleihung erfolgte und mit welchem Bezug, ist bisher unbekannt. Auffällig ist, dass in keinem der vielen bekannt gewordenen Schriftstücke der Nedlitzer Pfarrer und der an sie von außen gerichteten dieser oder ein anderer Name erwähnt wurde. Im Gegensatz dazu trat häufig bei Korrespondenz mit der Filial-Kirche Büden der Name St. Mauritius auf. In einer neueren Übersicht des Konsistoriums Magdeburg über die Nedlitzer Pfarrer ist ohne Begründung vermerkt: Name der Kirche  St. Nikolaus, nach dem 30 jährigen Krieg, St. Mathäus Hier sind noch weiterführende Recherchen erforderlich /111/, /118/.

Im Jahre 1642 wurde im Zuge der Kämpfe des Dreißigjährigen Krieges das ganze Dorf Nedlitz mit all sei­nen Gebäuden vollständig zerstört. Auch von der Kirche waren nur die steinernen Mauern stehen geblie­ben, wobei sie bis kurz vor ihrer Zerstörung als Pferdestall der schwedischen Truppen gedient hatte. Das Pfarrhaus und der Kirchhof waren ebenfalls abgebrannt bzw. verwüstet. Dies war für die damaligen Pfarrer mit großen Wohn- und Arbeitsraumproblemen verbunden, siehe Kapitel 1.

Etwa um 1660 begann auch der erfolgreiche Wiederaufbau der Nedlitzer Kirche. Aus der Zeit um 1668 stammt die Kanzel in der Nedlitzer Kirche, eine Stiftung der Frau von Spitznas. Die am Südpfeiler des Tri­umphbogens angeordnete Kanzel steht auf einer toskanischen Säule. Der Kanzelkorb ist als Polygon ausgebildet mit Säulen, dessen Brüstung die Bilder der vier Evangelisten schmücken. Eine Inschrift weist die Stiftung von Frau Orthman von Spitznas, geborene von Dorstedt mit ihrem väterlichen Wappen aus /60/, Bild 5.6.

Von Anna Sophia Eichelin, Edele von Rautenkrohn, geb. Hanin wurde im Jahre 1698 der Nedlitzer Kirche eine Messingschale für den Taufstein gestiftet, die ihren Namen und ihr Wappen als Inschrift trägt. Im Rand der Schale sind kleine schreitende Lämmer eingeschlagen worden /60/, Bild 5.7.

Im Untergeschoss des Turmes der Nedlitzer Kirche befinden sich 8 Särge, in denen von 1720  bis 1836  2 Pfarrer und 6 Besitzer bzw. Pächter des Nedlitzer Gutes oder deren Angehörige bestattet wurden, siehe Kapitel 5.8.

Glocken erhielt die Kirche erstmals im Jahre 1757, als auf Initiative von Pastor Johann Taube die ersten zwei Kirchenglocken  angeschafft wurden /74/. Bis zum heutigen Tag können sie auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken, denn sie haben Freudiges und Leidvolles der Nedlitzer Bürger mit ihrem Klang begleitet, siehe Kapitel 5.2.

Von 1760 bis 1780 wurden die Pfarrer besonders häufig an den Befehl Friedrich des Großen zur Anpflan­zung von Maulbeerbäumen auf den Kirchhöfen zum Zwecke der Seidenraupenzucht erinnert. Auch auf dem Nedlitzer Kirchhof wuchsen mehrere Bäume  in Verantwortung des Lehrers, wobei Nedlitz sich durch Pflichterfüllung positiv hervorhob.

Pastor Lilie stimmte im Januar 1785 mit dem Nedlitzer Oberamtman Braemer, dem Hof-Fiskal Hundrich und dem Lohburger Bürgermeister Tittel als Vertreter des Kirchenpatrons von Münchhausen die Kirchen­rechnungen der letzten sieben Jahre ab und bekam im Ergebnis eine Rückzahlung von 25 Talern bestä­tigt. Diese investierte er in die Erbauung eines neuen Chores in der Nedlitzer Kirche, „ welcher auch, nebst einem neuen Predigerstuhl zur linken Hand des Altars um Ostern fertig wurde. Dies ist der lange Chor an der Mitternachtswand der Kirche.“/ 74 /

Im Jahre 1786 erhielt die Nedlitzer Kirche auf Initiative von Pfarrer Johann Christian Lilie ihre erste Orgel, die von dem Tischler Lülfing aus Leitzkau angeboten wurde. Die Orgel erklang zum ersten Mal am Neujahrtag 1787 und wurde dabei durch den Schulmeister Johann Christian Dorenberg bespielt, der dies offenbar gut konnte.

Leider waren von den vier Stimmen des Positives nur drei brauchbar, so dass sich der Hörgenuss in Grenzen hielt. Insgesamt muss eingeschätzt werden, dass der Nedlitzer Gemeinde weder mit dieser Orgel noch mit den später nachfolgenden viel Freude bereitet wurde, siehe Kapitel 5.3.